RSS Feeds zum Stichwort: Potenziale

Mit Charakterstärken zum eudaimonischen Wohlbefinden & Glück

Sie sind mit Ihrem Leben eigentlich im Großen und Ganzen zufrieden, jedoch fehlt Ihnen irgendwas zum eudaimonischen Glück. Eu-dei-was? Die Eudaimonie ist ein Konzept das von der Positiven Psychologie aufgegriffen wurde.

Was ist das eudaimonische Wohlbefinden?

Eudaimonia kommt aus dem Griechischen, und bedeutet so viel wie „Den guten (Eu) Geist (Daimon) ausleben. Das Konzept geht ursprünglich auf die Lehren von Aristoteles zurück. Neue Forschungen (Huta, 2016) beschreiben Authentizität, Sinn-Erleben, Exzellenz und Potenzialentfaltung als die vier Kernelemente des eudaimonischen Wohlbefindens. Die Authentizität könnte man als „sich selbst treu bleiben“ beschreiben, um bewusst nach den eigenen Wertvorstellungen zu handeln. Das Sinn-Erleben dreht sich um die Frage „Was tue ich für wen?“ oder auch „Für wen ist mein Handeln bedeutsam?“. Die Exzellenz ist das Streben nach einer höheren Qualität im eigenen Handeln. Interessant dabei ist, dass die Anstrengungen und Bemühungen wichtiger als die eigentliche Zielerreichung sind. Bei der Potenzialentfaltung möchte man die eigenen Stärken, Kompetenzen ausleben, und man ist bemüht (ständig) dazu zu lernen. Bei der Potenzialentfaltung geht es kurz gesagt um Selbstverwirklichung.

Positive Psychologie: Schwächen managen, Stärken stärken!

Die Positive Psychologie so wie wir sie heute kennen entstand vor etwa 20 Jahren. Ein wichtiger Meilenstein war die Kür von Martin Seligman zum Präsidenten der American Psychological Association (APA) im Jahre 1998. Es kursiert die Legende, dass Martin Seligman und Mihály Csíkszentmihályi („Mister Flow“) im Garten saßen, und über die Entwicklung der Psychologie sinnierten. Übrigens: Csíkszentmihályi spricht man „Chicks-sent-me-high“ aus. Sie mussten feststellen, dass sich die Psychologie (vor allem die Klinische Psychologie und wohl auch die Psychotherapie) mit der Diagnostik und Heilung von Störungen und Krankheiten beschäftigten. Daran ist grundsätzlich nicht einzuwenden: Wenn jemand eine Depression hat, und ihn mit einer Therapie dabei unterstützt, dass er keine Depression mehr hat. Ziel ist also die Abwesenheit einer Erkrankung, bzw. die Abwesenheit einer Schwäche. Nur was ist mit all jenen, die keine Erkrankung haben, denen es „eigentlich gut geht“. Was kann die Psychologie denen anbieten? Bislang nicht viel.

Und so beschloss Martin Seligman seine Präsidentschaft, und auch das damit verbundene Budget, für die Förderung der Positiven Psychologie zu verwenden. Die Positive Psychologie versteht sich als die Wissenschaft von gelingenden Leben, sowohl in der Arbeit als auch im Alltag (Familien, Freunde, etc.). Die Wirkung der Positiven Psychologie ist somit auch präventiv, und es wird die psychische Widerstandfähigkeit, auch bekannt als Resilienz, gestärkt. D.h., man kann besser mit psychischen Fehlbelastungen und Stress umgehen.

In den letzten 20 Jahren haben sich vor allem zwei Konzepte herauskristallisiert. Zum einen geht es um das Akronym PERMA, zum anderem um die Charakterstärken, bzw. die „Values in Action“ (oft auch mit VIA abgekürzt) wie sie im Original heißen. Hinter dem Kürzel PERMA verbergen sich die Dimensionen

  • Positive Emotions
  • Engagement & Flow
  • Relationships
  • Meaning & Purpose
  • Accomplishment

Über Tugenden und Charakterstärken

In den Anfangsjahren der neu gegründeten Positiven Psychologie hatten Christopher Peterson und Martin Seligman die Vision einer Art „Anti-DSM“. Das DSM (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) ist ein Klassifikationssystem für psychische Erkrankungen und Störungen, und ist vor allem in den USA weit verbreitet. (Anmerkung: In Deutschland und Österreich ist eher das ICD in Anwendung. Inhaltlich sind die beiden Diagnosesystem sehr ähnlich).

Die Vision war ein System zu entwickeln, das nicht auf Schwächen und Fehlendes abzielt, sondern eben auf Tugenden und Charakterstärken. Bei der Entwicklung gingen die beiden (unter Mithilfe von zahlreichen Kollegen*innen) für die Psychologie besondere Wege. Sie nahmen Anleihen bei den Weltreligionen (Christentum, Judentum, Islamismus, Hinduismus, Buddhismus, usw.) und in der Geschichtsforschung diverser Länder und Kulturkreise. Das Vorgehen war nicht nur auf westliche Kulturkreise beschränkt. Es wurden 6 Tugenden mit 24 Charakterstärken beschrieben:

Weisheit und Wissen

  • Kreativität
  • Neugier
  • Urteilsvermögen
  • Liebe zum Lernen
  • Weisheit

Mut

  • Authentizität
  • Tapferkeit
  • Ausdauer
  • Enthusiasmus

Gerechtigkeit 

  • Fairness
  • Führungsvermögen
  • Teamwork

Mäßigung

  • Vergebungsbereitschaft
  • Bescheidenheit
  • Umsicht
  • Selbstregulation

Humanität

  • Freundlichkeit
  • Bindungsfähigkeit
  • Soziale Intelligenz

Transzendenz

  • Sinn für das Schöne
  • Dankbarkeit
  • Hoffnung
  • Humor
  • Spiritualität

Mehr über Charakterstärken

https://www.eudaimonic.at/charakterstaerken/

Eudaimonisches Glück durch Charakterstärken?

In den letzten Jahren wurde die Anwendung der Charakterstärken gut beforscht, und es lassen sich einige evidenzbasierte Aussagen ableiten, hier drei Highlights

  • Personen die regelmäßig vier oder mehr Charakterstärken im Beruf ausleben können, empfinden ihre Arbeit als Berufung (C. Harzer, W. Ruch 2012).
  • Ebenso wird durch das Ausleben der Charakterstärken das positive Erleben am Arbeitsplatz deutsch gesteigert (C. Harzer, W. Ruch 2012).
  • Durch die Anwendung von Charakterstärken wird das Sinn-Erleben in der Arbeit deutlich gesteigert ( (T. Schnell, T. Höge & M. Hausler 2017)

Fazit

Zusammenfassend lässt sich ableiten, dass 1. das Erkennen der eigenen Charakterstärken und 2. Das regelmäßige Anwenden und Ausleben von Charakterstärken zu signifikant höherem eudaimonischen Wohlbefinden (eudaimonischen Glück) führt, Dazu zählen unter anderem wesentlich niedrigeres Stressempfinden, höhere Arbeitszufriedenheit und höheres Arbeitsengagement. Ebenso wurden das Sinn-Erleben und die sozialen Beziehungen deutlich gestärkt.

Mit Charakterstärken zum eudaimonischen Wohlbefinden & Glück